#49 Das Konflikthaus: Schutz in Konflikten 3/3
Shownotes
Was tust du, wenn ein Gespräch kippt und jemand verletzend wird? Und was davor und danach? Das ist Teil 3 der Konflikthaus-Trilogie. Nach dem Erdgeschoss mit Beziehung und Sicherheit und dem Obergeschoss mit Hinhören, Verstehen und Fair-Handeln geht es jetzt ins Dach: Schutz für alle Beteiligten.
Hergen erzählt, woher sein Blick auf Schutz kommt: aus vielen Jahren in der Eingliederungshilfe mit Menschen mit geistiger Behinderung und aus seiner Ausbildung zum Deeskalationstrainer. Ein gutes Schutzkonzept hat für ihn drei Bausteine. Prävention ist alles, was eine Eskalation verhindern kann. Dafür nutzt er das TOP-Prinzip aus dem Arbeitsschutz: technisch und räumlich, organisatorisch, personell. Intervention ist das, was im Moment der Eskalation Schutz herstellt. Postvention ist die Nachsorge, und die wird oft vergessen. Zum Schluss erzählt Hergen von einem Gespräch mit dem Inklusionsaktivisten Raul Krauthausen. Es zeigt, warum Schutz immer mit den Menschen entsteht, die betroffen sein könnten.
Die Folge ist für alle, die in ihrer Arbeit mit Eskalationen rechnen müssen: im sozialen Bereich, in der Pflege, im Verkauf oder als Führungskraft vor einem hitzigen Gespräch.
Das nimmst du mit:
Schutz besteht aus drei Bausteinen: Prävention, Intervention und Postvention Mit dem TOP-Prinzip denkst du Prävention technisch, organisatorisch und personell Ein Notruf-Armband oder eine laute Pfeife sorgt dafür, dass du nicht allein bist Nachsorge nach einem Übergriff gehört als Standard ins Team, für alle Beteiligten Schutz entsteht gemeinsam mit den Menschen, die betroffen sein könnten
Passend dazu: Folge 47 zum Erdgeschoss (Beziehung und Sicherheit) und Folge 48 zum Obergeschoss (Hinhören, Verstehen und Fair-Handeln).
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo, schön dass du dabei bist.
00:00:02: Konflikte lösen!
00:00:03: Konflikt wissen in zehn Minuten.
00:00:05: heute geht es um das Thema Schutz und Es ist der dritte Teil der konflikthaus trilogie.
00:00:10: also wir hatten im ersten teil Der ist Erdgeschoss.
00:00:14: Wir haben uns angeschaut, wie wir gute Beziehungen kommen können und Sicherheit herstellen für alle Beteiligten.
00:00:19: Dann in der zweiten Folge der Trilogie haben wir auf das Obergeschoss also das Hindern und Verstehen sowie das Verhandeln geschaut.
00:00:26: Und heute sind wir im Dach – im schützenden Dach!
00:00:29: Also dass was über einem Konflikt im Grunde so ein bisschen abgehoben schwebt
00:00:34: um
00:00:34: Schutz für alle Beteiligten zu gewährleisten.
00:00:38: Und Schutz dient immer der Situation, dass verletzendes Verhalten gestoppt wird.
00:00:46: Und Schutz ist jetzt nicht nur die Intervention!
00:00:49: Wie kann ich dich unterbrechen in deiner gewaltvollen Handlung?
00:00:54: Sondern Schutz ist viel mehr.
00:00:56: und was wir heute in dieser Folge gemeinsam angucken können das es einmal.
00:00:59: wo komme ich herhergen?
00:01:00: mit meinem Denken auf und mein Blick auf Schutz damit du das auch anders und besser nachvollziehen kannst.
00:01:07: und vor allem und darum soll's heute eigentlich auch gehen oder im Kern gehen.
00:01:11: Wie kann dir das Konflikthaus und das Dachorientierung bieten für dein Konflikt oder für eure Konflikte, die ihr durchlebt als Team?
00:01:20: Jetzt ist es so dass jede Situation in der übergriffiges Verhalten auftritt grundsätzlich ja mal eine eigene Dynamik hat.
00:01:29: Das heißt eine pauschale Lösungsantwort wirst du hier nicht finden Aber und das finde ich fast noch wertvoller, ganz viel Orientierung an der du dich dann mit Vorbereitung auf den nächsten Konflikt gut vorbereiten kannst.
00:01:43: So wo komme ich her?
00:01:44: Wo kommen meine Schutzgedanken her?
00:01:46: Also ich habe lange Jahre also viele Jahre, ich glaube, fünfzehn-sechzehn Jahre in der Einliederungshilfe gearbeitet im Menschen mit geistiger Behinderungen Und wir hatten häufiger die Situation dass es hier zu übergriffigen Verhalten kamen.
00:02:00: Ohne jegliche Schuldzuweisung ist übergriffiges Verhalten immer eine Dynamik, die entsteht.
00:02:06: Also ich habe dann aus einer Ohnmacht heraus gedacht das kann doch nicht sein dass ich nicht verstehe wo dieses verhalten herkommt und entsprechend auch schlecht damit umgehen kann.
00:02:16: Deswegen habe ich mich zum Deeskalationstrainer ausbilden lassen, hab den VAT-Coach gemacht also Video basiert noch mal in Mikroanalysen geschaut.
00:02:25: wie lassen sich Verhaltensweisen anders verstehen?
00:02:28: Wie lässt sich Kommunikation besser verstehen?
00:02:31: Hab gewaltfreie Kommunikations- und all das mitgenommen kam immer wieder zu diesem Punkt, dass Schutz etwas ist das auf der einen Seite dann notwendig wird.
00:02:43: Wenn es hoch emotional wird und auf der anderen Seite eben Schutz etwas is das sehr strukturiert und sehr gut geplant sein möchte also etwas was eigentlich in der Regel in der Akkutsituation gar nicht so gut zusammen geht, dieses gut strukturierte und geplante und durchdachte... ...in einer Situationen, in der das hochstressig wird.
00:03:07: Und hochemotional wird!
00:03:09: Und es gibt nicht nur die Intervention an der Stelle.
00:03:13: Die Intervention wäre dann notwendig wenn ein Verhalten anderes verletzt.
00:03:17: Also die Intervenzion ist im Grunde das was einen Menschen in seiner Freiheit begrenzt, nämlich dann wenn er mit seiner Freiheit andere Menschen verletzt.
00:03:28: Und das ist in der Intervention gesehen natürlich ein gewaltvoller Akt weil ich dir versuche diese Freiheit zu nehmen mit der du andere verletst.
00:03:38: Und nun das gute vorweg Schutz ist nicht nur die Intervention.
00:03:43: Intervention ist ein Baustein von Schutz, aber den Schutz so wie ich ihn verstehe, den würde ich immer in drei Bereiche aufteilen.
00:03:51: Das ist einmal die Prävention.
00:03:53: Da komme ich gleich drauf was es bedeutet also alles was vor der Eskalation passiert und denkbar ist der Eskalation zu verhindern, also Prävention Riesenbaustein.
00:04:04: Dann kommen wir zum zweiten Baustein die Intervention.
00:04:07: und das ist natürlich alles das was in dem Moment der Eskulation zur Deeskalation beiträgt.
00:04:13: Und dann kommen wir zur Postvention.
00:04:15: und dass es etwas was ganz häufig vergessen wird Alles das Was nach einer Eskalations notwendig ist so was wie Nachsorgeangebote Und natürlich auch weiterführende Gedanken.
00:04:27: Wie können wir die Situation, die hier so eskaliert ist künftig verhindern.
00:04:31: Also drei Bausteine, drei große Bausteinen mit denen du Schutz denken solltest aus meiner Sicht anders wird's nicht funktionieren.
00:04:41: Ich würde gerne mit dir einmal die Prävention aufmachen und wir haben damals in der Eingliederungshilfe viel mit der Berufsgenossenschaft zusammengearbeitet und die haben damals was entwickelt.
00:04:53: Ich weiß gar, ob sie das entwickelt haben oder auch woanders herhaben aber dass topprinzip kennt man sicherlich aus vielen bereichen vom arbeitsschutz usw.
00:05:03: es geht im grunde präventiv im schutz darum zu denken was kann ich tun, um bestmöglich eine Eskalation zu verhindern.
00:05:15: Und das T steht für technische und räumliche Möglichkeiten die mir Schutz bieten können.
00:05:22: Und da kann es sein, dass bestimmte technische Hilfsmittel wie zum Beispiel und das finde ich super wertvoll ein Notrufarmband.
00:05:30: Also einen Knopf am Arm.
00:05:31: Dass wenn es hitzig wird du diesen Knopf drücken kannst.
00:05:34: andere KollegInnen werden informiert wissen Bescheid da ist jemand in Not können sofort dazukommen und können zu deinem Schutz beitragen.
00:05:42: Finde ich super wichtig.
00:05:43: Wenn das nicht geht gibt's auch die Überlegung Binde dir eine Pfeife um die so laut ist Das ist alle anderen hören einfach um in der Situation technisch ausgerüstet zu sein und eben nicht der Eskalation ausgeliefert zu sein.
00:05:58: Und sie nicht alleine durchstehen zu müssen, dann gibt's Neben dem technischen auch räumliche Überlegungen, also was können wir hier räumlich optimieren?
00:06:07: Damit Fluchtwege für mich als Fachperson aber auch für meinen Gegenüber möglich sind.
00:06:13: Also dass wir aus dieser Situation gut rauskommen?
00:06:16: wie muss die räumlichen Struktur im Idealfall angepasst werden damit immer auch eine Fluchtmöglichkeit?
00:06:22: da ist das es so eine Überlegung von ganz vielen die man hier anstellen kann.
00:06:26: Jetzt kommen wir beim Topprinzip zu dem O Und das O ist etwas organisatorisches.
00:06:32: Also was kann ich organisatorisch bedenken, um zum Schutz aller Beteiligten beizutragen?
00:06:38: Ein Beispiel ist im sozialen Bereich häufig die Nachtwache, die allein unterwegs ist – es ist absolut kein Idealszenario und in einem Extremfall auch wirklich ... ja!
00:06:48: Kann es lebensbedrohlich werden, wenn ich hier komplett auf mich alleine gestellt bin?
00:06:52: Das ist immer die Frage.
00:06:53: Ist in der Nachbarstation oder im Nachbarhaus eine Nachtwache, die schnell rüberkommen kann?
00:06:58: Wie ist das organisatorisch geplant?
00:07:01: Gibt es ne Eins zu Eins Betreuung für einzelne Personen?
00:07:04: oder jetzt mal am anderen Kontext wirtschaftlich gesprochen Wenn ich weiß da steht gleich ein hitziges Gespräch an.
00:07:10: Wo sind organisatorische dienstplanungstechnisch-Kolleginnen Die auch hier einen Auge mit auf die Situation haben können dass ich hier nicht alleine bin.
00:07:21: Natürlich auch immer zu überlegen, technisch räumlich kann man wieder zurückspringen wenn wir im Verkauf sind.
00:07:28: wo was steht zwischen uns?
00:07:29: also habe ich irgendetwas Räumliches das uns hier zumindest für die ersten Sekunden schützt und ich dann besser reagieren kann.
00:07:37: also all das kann man denken aber ich spring jetzt nicht mehr so viel hin und her.
00:07:40: du merkst es aktiviert in mir wieder den deeskalationstrainer.
00:07:43: was könnte präventiv alles tun?
00:07:45: Das lässt sich besser noch ermöglichen.
00:07:48: Also was braucht es vielleicht auch?
00:07:50: Brauchen wir hier dieses Gespräch zu zweit, also müssen jetzt zwei Personen im Gespräch sein damit mehr Schutz und mehr Sicherheit da ist.
00:07:57: das ist auch ein organisatorischer Gedanke.
00:08:00: Jetzt kommen wir zum P vom Topprinzip P personell also was brauchst du an Schulungen wenn Du in bestimmten Situationen arbeitest oder mit bestimmten situationen konfrontiert bist?
00:08:12: Was brauchst Du an know how persönliche Ausbildung, um in dieser Situation präventiv handeln zu können.
00:08:21: Und das ist ein Punkt der auch wirklich total wichtig ist wenn du im sozialen Bereich arbeitest beispielsweise mit Menschen mit einer bestimmten Behinderung arbeitst und dann keine Ahnung davon hast, dann wünsche ich mir hier den personellen Aspekt zu gucken welche Fort- und Weiterbildung kannst du besuchen damit du hier auch anders verstehen kannst und dadurch die Situation deeskalieren kannst?
00:08:43: Es können aber auch grundsätzlich halt Schulungsmöglichkeiten sein zum Umgang mit schwierigen Situationen, mit Konflikten oder mit Eskalation.
00:08:51: All das spielt hier rein und soll einfach nochmal den Fokus darauf richten was können wir noch tun?
00:08:56: So die Intervention ist nachher im Grunde das was du gelernt hast was ihr gelernt habt an Maßnahmen die ihr in eine akut situation ausführen könnt um Schutz herzustellen.
00:09:13: Da gibt es auch wieder eine breite Masse an Angeboten, nicht alles ist notwendig.
00:09:17: aber das was für eure Situation notwendig sein könnte ob es eben verbal notwendig seien kann oder auch schon körperlich werden könnte und ich dann körperliche Schutztchniken brauche all das findet hier in der Intervention nachher möglicherweise Anwendung.
00:09:35: Dann kommen wir zur Postvention und das ist der Bereich, der wirklich massiv vernachlässigt wird so wie ich das erlebt habe.
00:09:42: Das ist die Nachsorge.
00:09:44: nach jedem Übergriff braucht die Person ein Nachsorgeangebot und diese Nachsorg soll im Grunde sicherstellen dass du nicht allein gelassen wirst mit dieser belastenden Situation.
00:09:56: Und auch wenn du sagst danke Ich brauche kein Angebot finde ich es wunderbar wirklich notwendig, dass dieses Angebot ein Qualitätsstandard ist in Teams.
00:10:08: Der grundsätzlich gemacht wird nicht im Sinne von du hast es nötig, du brauchst Nachsorge sondern alle Menschen die sich in einer Eskalation befunden haben bekommen Qualitativ als Standard, eine Nachsorgeangebot.
00:10:22: Und da ist es interessant wer macht diese Nachsorge?
00:10:25: Wer ist hier qualifiziert ausgebildet und so weiter.
00:10:27: also auch das ganz wichtige Gedanken die du im Dach zum Schutz aller Beteiligten mitdenken solltest.
00:10:35: Eine Sache ist mir hier noch wichtig Und du merkst, zehn Minuten sind nicht zu das Thema.
00:10:39: Schutz sollte auch immer mit den Menschen entwickelt werden die von diesen Übergriffen betroffen sein könnten also nichts was aufgestülpt ist sondern wirklich eine Erarbeitung mit den menschen vor Ort Die sich in dieser Situation befinden.
00:10:53: Ja und dann denke ich noch an das Gespräch mit Raul Krauthausend der damals zu mir sagte dass er für RTL undercover In einem wohnham für Menschen mit Behinderungen war und Raul hat selber eine körperliche Behinderung und ist Inklusionsaktivist erlebt, dass wenn du in Abhängigkeitsverhältnissen zu dem Pflegepersonal bist und dann ein Übergriff durch Pflegepersonal erlebst.
00:11:14: Das ist dann unfassbar schwierig es sich selber zu schützen.
00:11:17: denn wenn ich das jetzt melde wo melde ich's hin?
00:11:20: Und am nächsten Tag ist die Person wieder da und pflegt mich.
00:11:23: also was mache ich in dem Moment und das zeigt mir ganz gut des Schutz immer mit allen im System lebenden oder agierenden Menschen gedacht werden muss, denn viele Perspektiven haben wir so gar nicht drauf.
00:11:37: Das heißt ich kann Schutz zwar in einem gewissen Rahmen denken, braucht aber unbedingt alle im System beteiligten Menschen also den systemischen Blick hier auch.
00:11:47: wie können wir Schutz bestmöglich organisieren?
00:11:51: Du merkst, da ist richtig was drin.
00:11:53: Also ich mache da wilde auch unbedingt noch größere Angebote zu machen, auch in der Online-Weiterbildung zur Konfliktlöserin.
00:12:02: Die findest du ja wie immer in der Beschreibung hier.
00:12:05: Aber ich will noch mal zusammenfassen, was Schutz bedeutet.
00:12:09: Also Schutz ist nicht nur die Intervention, die jetzt den Gewaltakt unterbricht, sondern Schutz ist immer auch Prävention.
00:12:16: Was kann ich tun um eine Eskalation gar nicht erst entstehen zu lassen?
00:12:21: Intervention – was kann ich tun wenn es eskaliert?
00:12:24: Postvention –was kann ich nach der Eskulation tun?
00:12:28: Welche Nachsorgeangebote habe ich für alle Beteiligten!
00:12:31: Und da ist mir auch noch mal wichtig, dass in vielen Systemen immer nochmal der Blick nicht nur Täter Opfer sondern möglicherweise waren beide in einer Ohnmachtssituation.
00:12:43: Beide brauchen hier ein entsprechendes Nachsorgeangebot.
00:12:47: Die Nachsorgung soll dann auch wieder in den Präventionsbereich übergehen sozusagen also ich Biete Nachsorge ja an, damit du in Zukunft präventiv auch gestärkt bist um in der Situation sicher zu sein und auch geschützt zu sein.
00:13:04: Und Nachsorg ist auch immer das gemeinsame Lernen aus der Situation die hier eskaliert ist.
00:13:10: wie können wir das in Zukunft anders machen?
00:13:12: Ich hoffe die Folge, auch wenn sie etwas länger war als die anderen hat dir ein bisschen mehr Orientierung gegeben.
00:13:18: Und wenn du jetzt noch Fragen hast zum Schutz, zum Dach oder zum Konflikthaus dann schreib mir gerne und vielleicht ist die Online-Weiterbildung zur Konfliktlöser in oder zum konflikt löser ja was für dich!
00:13:30: Wir sehen uns hier.
00:13:31: am achten Dezember geht es los gemeinsam online.
00:13:34: ich würde mich auf jeden Fall freuen.
00:13:36: bis dahin alles Gute für dich.
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